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gefühlte temperaturen sind immer was anderes

im zuge der unentwegt-internen veranstaltungsreihe "besuch von kumpels, die ich nur einmal im jahr sehe" tauchte neulich mal wieder lehrer h. aus h. auf, der das immer klasse findet, bei der unentwegt mal für 48 stunden nicht lehrer, papa, ehemann und sonstwas sein zu müssen, sondern eben einfach h.
find ich auch immer schön, wenn er hier seine h.-haftigkeit voll auslebt. allerdings fällt mir bei der gelegenheit auf, dass h.'s potential, ein aufgräumtes zimmer innerhalb kürzester zeit in gemütliches chaos zu verwandeln, doch sehr nachgelassen hat ... huch!

jedenfalls können wir uns ja in den zur verfügung stehenden 48 stunden nicht nur die neuesten familiären stories oder wilde linguistische streitgespräche um die ohren hauen (hei, hat letzteres aber auch mal wieder spaß gemacht!), nee, wir müssen ja auch was TUN, raus in die welt, die stadt durchstreifen, was erleben und so!

die unentwegt und der h. also los richtung mitte. weil, die unentwegt hat nämlich "stadt im ohr" entdeckt und der h. musste jetzt als versuchskaninchen mit, ob das was taugt. - doch, taugt, sag ich gleich schonmal vorweg.

"stadt im ohr" bieten nämlich rundgänge in berlin mit knopf im ohr an. will heißen; wenn du beispielsweise durch mitte schlendern, die wichtigsten sehenswürdigkeiten angucken und dabei noch das eine oder andere spannende detail erfahren willst, gehst du in den laden "ausberlin", leihst dir einen "stadt-im-ohr-mp3-player" mit den "mitte-schritten" aus und machst dich auf den weg.

die beiden stimmen aus dem maschinchen lotsen dich vom fernsehturm zur marienkirche, von dort zum roten rathaus etc. pp, später über den hackeschen markt und am schluss zur volksbühne, bevor du nach 80 minuten wieder am ausgangspunkt angelangst. spannende dinge erzählen sie an den jeweiligen stationen; so gucke ich mir inzwischen die fassade des roten rathauses ein bisschen anders an, seitdem ich weiß, dass da im grunde die ganze geschichte der stadt bildlich festgehalten ist.

"stadt im ohr" denkt dabei voraus, denn über den palast der republik sprechen die stimmen aus dem kästchen schon in der vergangenheitsform. das ergibt eine ganz eigene atmosphäre, wenn eins vor dem gebäude steht, an dem dutzende abrissmaschinen nagen, und quasi aus der zukunft erzählt eine stimme über den palast, der gewesen ist und der dann schon nicht mehr sein wird. puh!

der vorteil der mp3player-guided tour: du kannst jederzeit pause machen. war auch nötig, denn es war kalt, als wir unterwegs waren, und der wind war noch viel kälter und das machte so am stück echt mal gar keinen spaß. also die pause-taste gedrückt, lecker pizza essen gegangen (mit jeder menge peperoni!!!) und erstmal aufgewärmt.

insgesamt ist das schon sehr lustig, wenn du zu zweit unterwegs bist: trotz gleichzeitigen drückens aufs knöpfchen ist nämlich ein nahezu synchrones abspielen auf beiden playern irgendwie nicht drin. also drehen sich die köpfe immer mit ein bisschen zeitverzögerung in die gleiche richtung und ihr rennt garantiert auch immer zeitverzögert los in die nächste ecke oder macht zeitverzögert "oh, das hätte ich ja nicht gedacht!"-gesten zum gegenüber, das dann vielleicht noch gar nicht weiß, was ihr da gerade bestaunt, oder schon ganz woanders mit den ohren ist.

wir haben uns die volksbühne geschenkt (schade eigentlich), weil der wind doch wirklich zu fies war, wir uns dann doch schon wieder fühlten wie eiszapfen in lustiger menschenverkleidung und überhaupt wollten wir ja abends auch nochmal los und die füße tun schon weh und die ohren sind rot und irgendwie kommt eins ja auch in die jahre und das geht alles nicht mehr so und jetzt sollte langsam mal die schrift kleiner werden, damit niemand mehr dieses ungaublich selbstmitleidige gejammer zweier verweichtlichter mitteleuropäerinnen lesen muss, die einfach nix mehr gewöhnt sind und nach ein bisschen kultur zu fuß gleich mit dem totalzusammenbruch drohen, gute güte!

aber der laden "ausberlin" in der karl-liebknecht-straße ist in jedem fall sehenswert (schon alleine deshalb, weil er eine tür zum schließen, eine heizung und ggf. bestimmt auch einen stuhl zum hinsetzen hat, sofern eins nicht vorzieht, in der umkleidekabine ein nickerchen zu machen): hier werden nur dinge verkauft, die in berlin hergestellt werden. da kannste dir jede menge anregungen für eigene ideen holen, aber mit so einem frühstücksbrettchen macht eins ja gar nix falsch. mal davon ab, das das personal des ladens ultra-nett ist auf eine sehr angenehm uncoole, gelassene und offene art und weise.

einen anderen "stadt im ohr"-rundgang gibt es auch noch für friedrichshain; den geb' ich mir auch mal irgendwann, denn über friedrichshain weiß ich herzlich wenig und die stadtführung klingt irgendwie ziemlich literarisch; wird also noch interessanter.

fazit: sehr zu empfehlen, aber wärmeres wetter und ein wind mit gefühlten temperaturen über zehn grad sind bestimmt nicht zu verachten.

(der h. und ich kamen an einer starken lungenentzündung nur deshalb vorbei, weil wir uns abends in die gemütlich warme scheinbar hockten und uns alle kälte aus den knochen lachten.)

:°)
19.3.08 22:12
 

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